Hörspielrezension: A. Masuths "Danger Part Neun: Sternengezücht"

Danger Part 9: Sternengezücht - Maritim (über Amazon.de)
Danger Part 9: Sternengezücht - Maritim (über Amazon.de)
Mit "Sternengezücht" versucht sich Maritim beim neunten Teil der "Danger"-Reihe mit einer im Cthulhu-Mythos von H. P. Lovecraft angesiedelten Geschichte.

Das Hörspiellabel Maritim präsentiert mit der "Danger"-Reihe in sich abgeschlossene Geschichten, die meistens ein übernatürliches Thema haben. Da war es wohl nur eine Frage der Zeit, bis man dort auf die Idee verfiel, eine der Episoden vom von H. P. Lovecraft entwickelten Mythos rund um die großen Alten handeln zu lassen. Aber ist dieses Hörspiel auch wirklich sein Geld wert?

"Sternengezücht" - Der Inhalt

Neufundland im Jahr 1927. Irgend etwas stimmt ganz und gar nicht in dem verschlafenen Küstenstädtchen Hillington Point. Mit einem sonderbaren Schleim gefüllte, eklige Fische werden an Land gespült. Die erfahrene Besatzung eines Fischkutters verschwindet auf der Suche nach einem scheinbar ertrunkenen Jungen ohne eine Spur zu hinterlassen. Als Jaryd Flanagan von seiner Leuchtturminsel aus beobachtet, dass sich die Konstellationen der Sterne mit rasender Geschwindigkeit ändern, schenkt ihm zunächst keiner Glauben, als er sagt, dass zwischen den einzelnen Geschehnissen ein Zusammenhang bestehen könnte. Einzig der gerade erst angereiste Leiter eines Observatoriums leiht ihm sein Ohr. Dieser scheint aber mehr zu wissen, als er zunächst zugeben möchte. Alle Hinweise deuten auf Steve Mountain, eine sich vor Hillington Point befindende Insel...

Die positiven und die negativen Seiten von "Danger Part 9: Sternengezücht"

Die Sprecher von "Danger Part 9: Sternengezücht" gehören mit zu den besten, welche der Hörspielbereich zu bieten hat. Vor allem Lutz Riedel und Torsten Münchow wissen in ihren Rollen zu überzeugen. Einzig Sandra Schwittau als 14 Jahre alter Henry erkennt man sofort als die Stimme einer Frau und nicht die eines halbwüchsigen Jungen.

Auch die Geräuschkulisse von "Sternengezücht" weiß zu gefallen. Man glaubt sofort, dass man sich gerade in einer kleinen Küstenstadt befindet, wenn man zum Beispiel die Möwen oder den Lärm der dort anlegenden Fischer hört. Außerdem werden die Geräusche immer bedrohlicher, je weiter die Handlung fortschreitet. Das ist alles durchaus gut umgesetzt. Auch die Musik ist - im Gegensatz zu manch anderer Serie des Hauses Maritim - durchaus ausgefeilt und nahe am Spannungsbogen.

Das Problem von "Sternengezücht" ist also nicht die Umsetzung. Das Hauptproblem von "Sternengezücht" sind vielmehr die vielen weißen Seiten mit den schwarzen Buchstaben. Mit anderen Worten: Das Drehbuch von Andreas Masuth hat mehr als nur eine Schwachstelle. Kann man sich mit der grundsätzlichen Idee, dass das Hörspiel kurz vor dem Ende der Geschichte beginnt, um dann in einer Rückblende zu erzählen, wie es so weit kommen konnte noch einigermaßen anfreunden, muss an die Macher schon die Frage gestellt werden, wieso man dies ohne jeglichen Übergang umsetzt, sodass der Zuhörer die nächsten zwei bis drei Minuten lang braucht, um zu erkennen, was los ist. Wenn man sich andere Hörspielreihen ansieht, wird entweder nach einer solchen die Titelmusik abgespielt und/oder ein Erzähler verschafft sich mit einem Satz wie "Einige Wochen zuvor" kurz Gehör.

Drehbuchschwächen bei "Sternengezücht"

Die Geschichte hat aber noch andere Probleme (hier ist wohl der richtige Platz für eine Spoilerwarnung). So ist es schon bemerkenswert, dass die Sterne am Nachthimmel Nacht für Nacht ihre Positionen verändern, die Plätze tauschen und generell anscheinend am Himmel Amok laufen und es genau zwei (in Zahlen: 2) Leuten auffällt. Schauen die Neufundländer in diesem Hörspiel in der Nacht nie nach oben oder ist das dort etwa normal (letzteres ist wohl nur schwer vorstellbar)? Selbst wenn dem so wäre, ist das noch keine Erklärung dafür, wieso sonst niemand den gut sichtbaren "Budenzauber" bemerkt, der sich quasi direkt vor der Haustür der Bewohner von Hillington Point abspielt.

Verwirrend wird es auch, wenn man versucht, die Aktionen der handelnden Figuren ernsthaft nachzuvollziehen. Dass man eine große Suchmannschaft zusammenstellt, um den jungen Henry zu finden ist klar. Allzu motiviert dürften manche der Suchenden aber nicht gewsen sein, oder wie lässt es sich sonst eklären, dass die Besatzung eines für die Suche abgestellten Fischkutters plötzlich einfach so ihre Netze im Meer auswirft und den verschwundenen Halbwüchsigen keine fünf Minuten später vollständig vergessen hat.Überhaupt fällt es dem Zuhörer von Zeit zu Zeit sehr schwer zu unterscheiden, welche Personen jetzt genau wohin unterwegs sind und welche Gründe sie für ihr Handeln haben. So darf mir einer der Macher gerne einmal erklären, wieso von den Protagonisten über deren Sichtung von Unterwassertentakelwesen Stillschweigen bewahrt wird, wenn das halbe Dorf gerade im Wasser nach der Leiche des ertunkenen Henry sucht. Ein kleiner Tipp an die anderen Suchmannschaften wäre da als kleine Warnung schon nett gewesen.

Eine weitere große Schwachstelle von "Sternengezücht" ist die Motivation des Bösewichts (welcher der Leiter des Observatoriums ist). Es gibt bis zur großen Erklärung am Schluss keinerlei Hinweise (nein, die ganze Zeit ganz doll geheimnisvoll daherreden zählt nicht als Hinweis) darauf, dass er das ist, was er ist (nämlich eine Art Hybridwesen zwischen Schoggothen und Mensch, das den Schoggothenanteil in sich perfekt verbergen kann). Warum dieses Hybridwesen überhaupt existiert und wieso es nicht bei den restlichen Shoggothen lebt, wird nicht erklärt. Das und die Tatsache, dass es - wie schon erwähnt - bis zum Ende keinerlei diesbezügliche Anzeichen gibt, lassen die Sache schnell zu einer unfreiwillig komischen Deus-Ex-Machina-Lösung werden. Dass die ganze Anglegenheit dem Zuhörer als die überraschendste Plotwendung des Jahrhunderts verkauft wird, obwohl jeder Mensch mit mehr als zwe Gehirnzellen nach spätestens drei Minuten weiß, dass hier etwas im Busch ist (nur das genaue "was" ist dann halt - aufgrund seiner Blödhit - wieder eine Überraschung), ist da dann der Zuckerguss auf dem Hörspielkuchen.

Der Antagonist als größte Schwachstelle bei "Sternengezücht"

Generell passt, was das Verhalten des "Bad Guy" und die Reaktionen der anderen Figuren auf ihn, herzlich wenig zusammen. Beispiel gefällig? Er gibt sich anfangs als jemand aus, der die Vorkommnisse ebenfalls untersuchen will und erklärt den anderen, was er über den Mythos der großen Alten weiß. Er erzählt, dass unsere menschliche Rasse eigentlich nur eine Art Zufallsprodukt, geschaffen von grausamen Göttern, die uns demnächst vernichten werden und generell die Wahrheit jeden Menschen in den Wahnsinn treiben würde. Und natürlich steht die Vernichtung der Menschheit kurz bevor. Was machen die anderen, nachdem sie die Geschichte gehört haben? Sie gehenzur Tagesordnung über, glauben alles sofort und stellen keine einzige Frage. Dabei sollte mandoch annehmen, dass ein normaler Mensch zumindest etwas skeptischer reagieren würde, wenn man ihm erklärt, dass die Auslöschung der Menschheit kurz bevor steht. Der größte Lacher war schließlich, dass die anderen Shoggothen einen Abgesandten der großen Alten (der einer der großen Alten selbst ist) in eine Box eingesperrt haben und den Protagonisten zu diesem sperren, damit er dem Wahnsinn verfällt. Wobei man sich schon fragen darf, wie das Konzept des Wahnsinns hier funktioniert. So wird die Frau des Protagonisten schon beim Blick durch ein Teleskop wahnsinnig, während ihr zukünftiger Ehemann (den am Ende präsentierten großen Alten ausgenommen) jedwede Art von Mythoswesen betrachten kann, ohne geistigen Schaden zu nehmen. Da fällt es dann gar nicht mehr auf, dass es in dieser Geschichte gar nicht um das titelgebende "Sternengezücht" geht, sondern vielmehr um unterirdisch lebende Mythoswesen und auch solche der eher "maritimen" Art.

Das ist alles relativ schade, denn das Ende der Geschichte, bei dem die Menschen (da den Überlebenden nicht alle Informationen zur Verfügung stehen) einen Pyrrhussieg davontragen, der das unvermeidliche Ende nur um ein paar Jahrzehnte hinauszögert, hat durchaus etwas.

Fazit zu "Sternengezücht" von Maritim

Leider kann dieses Hörspiel - wie so viele andere von Maritim - nicht empfohlen werden. Dafür sind die Löcher im Drehbuch einfach zu groß und die ganze Geschichte sorgt maximal für unfreiwillige Komik, aber sicher nicht für eine gruselige Atmosphäre. Nur für Leute zu empfehlen, die auch Hörspiele mögen, die aus den falschen Gründen unterhaltsam sind.

Andreas Masuth "Danger Part 9: Sternengezücht", Maritim Verlagsgruppe Hermann, 2010, ISBN-13: 978-3867142694, 8,95 Euro

Udo Seelhofer, Udo Seelhofer

Udo Seelhofer - Studium: Deutsche Philologie (abgeschlossen) Kombinierte Religionspädagogik (im letzten Abschnitt) Arbeit: Seit Oktober 2006 ...

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